„Die Geschichte Europas endet nicht an den Grenzen Europas... Das Thema Europa ist ein weltweites Thema“

In der Ausstellung

8
Persönliche Geschichten

die zeigen, wie der Kolonialismus das Leben einzelner Menschen geprägt hat

195
Historische Objekte und Dokumente

vom 7. Jahrhundert bis heute

25
Zeitgenössische Kunstwerke

deren Künstler sich mit Dekolonialisierung auseinandersetzen

4
Sprachen

Englisch, Niederländisch, Französisch, Deutsch

Einführung

Nach dem Zweiten Weltkrieg schien die Kolonialmacht zu bröckeln. Von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts befreiten sich mehr als 80 Kolonien von der europäischen Herrschaft und erklärten ihre Unabhängigkeit. Nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten des Widerstands gegen gewaltsame Unterdrückung schien ihr Sieg der entscheidende Bruch mit der Vergangenheit zu sein. Doch manchmal trügt der Schein...

Wie schaffte es die koloniale Machtmatrix – Gedankengut, Ereignisse, Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die dem Kolonialismus entstammen – weiter die moderne Welt zu prägen? 

Ausstellungsbereiche

Die Ausstellung besteht aus vier Teilen.

  1. Strukturelle Grundlagen des europäischen Kolonialismus

    und seine lange Geschichte vom 15. Jahrhundert bis 1945

    Welche strukturellen Merkmale zeichnen den Kolonialismus aus? Zwar hat jeder Fall von europäischem Kolonialismus seine eigene Geschichte, doch alle haben bestimmte Merkmale gemeinsam. Ein Bewusstsein für die systemischen Merkmale des Kolonialismus ermöglicht es, diese auch in der heutigen Zeit zu erkennen.

    Wooden puppet figure carrying glass jar

    Botanist Kid (Boy) oder Kind der postkolonialen Welt, 2024, CBE RA Yinka Shonibare (geb. 1962).
    Erworben 2024. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte, Brüssel. 
    © Yinka Shonibare CBE RA

  2. Das Ende der Kolonialreiche?

    fragt, wie die Europäer ihre Macht bewahrten, als ihre Imperien zusammenbrachen

    1945 lag Europa nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern. Seine Macht bröckelte. Die Alliierten hatten dafür gekämpft, Nationalsozialismus und Faschismus zu besiegen. Da konnten sie doch jetzt kaum noch den Kolonialismus verteidigen, oder? Für die kolonisierten Völker schien ein radikaler Wandel nun zum Greifen nahe.

    colonial dress sculpture view from aside in horisontal format

    Kolonialkleid, 2008, Susan Stockwell (geb. 1962).
    Erworben 2019. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte, Brüssel.
    © Susan Stockwell

  3. Zwischen Unabhängigkeit und echter Freiheit

    Ab dem Ende der 1950er-Jahre nahm die Entkolonialisierung an Fahrt auf.

    Allein im Jahr 1960 wurden 17 afrikanische Kolonien unabhängig. Dies waren außergewöhnliche Momente voller Triumph, Hoffnung und Stolz. Die Euphorie, die viele Menschen empfanden, währte jedoch nicht lange.

    Black-and-white photo of a young woman walking through a wooded area with a rifle across her shoulders, with two youths behind her

    Luzia Inglês Van-Dúnem (Mitglied der Volksbewegung zur Befreiung Angolas), 1968. 
    © Augusta Conchiglia 1968

  4. Und nun?

    Sich mit der kolonialen Vergangenheit Europas auseinanderzusetzen bedeutet, ihre Spuren heute überall wahrzunehmen.

    Doch wo es Ungerechtigkeit gibt, gibt es auch immer Widerstand. Innerhalb und außerhalb Europas setzen sich zahllose Menschen für Veränderungen ein: Künstler, Aktivisten, Forscher, Pädagogen, Organisatoren und gewöhnliche Bürger, die in ihren Gemeinschaften Verantwortung übernehmen.

    Sie fordern uns auf zu überdenken, was es bedeutet, europäisch zu sein, einen unvoreingenommenen Blick auf Europas Platz in der Welt zu richten und neue Formen des Zusammenseins und Zusammenlebens zu entwickeln. 

    baga nimba sculpture in horisontal format

    Baga Nimba (Gold), 2019, Niyi Olagunju (geb. 1981).
    Erworben 2020. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte
    © Niyi Olagunju

Gründe für die Ausstellung

Das Haus der Europäischen Geschichte wurde 2017 eröffnet. Sein Auftrag und seine Verantwortung sind es, die Geschichte Europas zu beleuchten. Unsere derzeitigen Exponate sagen nicht genug über die Auswirkungen des Kolonialismus aus, die sich noch heute feststellen lassen. Die Stimmen derer, die unter den Gewalttaten der Kolonialherren gelitten und gegen sie angekämpft haben, werden vernachlässigt.

Diese Ausstellung ist nun der Beginn einer Reise unseres Teams mit dem Ziel, dieses Versäumnis zu beheben. Die Ausstellung soll als Katalysator für die Überarbeitung unserer Exponate im gesamten übrigen Museum dienen. 

Projektteam

Leitender Kurator und Projektleiter
Kieran Burns
Kuratoren
Ayoko Mensah, Simina Badica und Joanna Urbanek
Assistenz-Kuratoren
Elena Garcia Caffarena, Laura Coccia
Kurator für persönliche Geschichten
Daphné Budasz
Praktikum
Helja Asadi-Gholami, Adrià Enríquez Álvaro, Hannah Savage, Emily Shoebridge Martín
Produktionsleiter
Philippe Peyredieu du Charlat
Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit
Mackda Ghebremariam Tesfau, Paul Grabenberger
Sammlungen – Konservatoren
Vasileios Galanakos, Anke van Achter
Sammlungen – Assistentin mit Zuständigkeit für Leihgaben
Karolina Milkowska
Sammlungen – Registrar
Vladimir Cajkovac
Veröffentlichung
Stéphanie Gonçalves und Christine Dupont
Kommunikation und Partnerschaften
Ana Salvador, Nicolas Withof
Einrichtungen, Besucherdienste & IT
Vito Maltese, Carlos Ibañez Fandos
Finanzenz
Jasna Burn, Korana Matetić

Wir arbeiteten bei dieser Ausstellung mit einem internationalen Gremium aus Historikern, Forschern, Aktivisten, Gemeindevorstehern und anderen Fachleuten zusammen, aber auch mit Menschen, die uns von ihren persönlichen Erfahrungen mit Kolonialismus und davon, wie sie damit umgegangen sind, berichteten.

Persönliche Stimmen in der Ausstellung

Insgesamt werden acht persönliche Geschichten mithilfe audiovisueller Formate und dazugehöriger Objekte dargestellt. Sie verkörpern verschiedene Sichtweisen der Kolonialgeschichte, ihre Komplexität und aufkommende Abweichungen. 

Uazuvara Ewald Kapombo Katjivena
Lehren der Menschlichkeit von einem Überlebenden des Völkermords
Sabrina Tirvengadum
Identitätssuche mithilfe von Archiven und KI
Yves Abibou
Kampf um die Anerkennung eines Massakers
Leah Latumaerissa
das gebrochene Versprechen der niederländischen Regierung
Zohra Opoku
Familienzusammenführung durch Kunst
Ilda Vaz
Musik als Mittel des Widerstands
Rahel Sereke
Kampf für Rechte und gegen strukturellen Rassismus
Jacqui Goegebeur
Koloniale Zerstörung von Kindheit und Familien

Wissenschaftliche Beratungsgruppe und „Kritische Freunde“

Im Mittelpunkt der Ausarbeitung der Wechselausstellung stehen die Grundsätze der akademischen Unabhängigkeit und der Einbeziehung von Fachwissen. Zu diesem Zweck hat das Haus der Europäischen Geschichte einen zweistufigen Beratungs- und Prüfungsrahmen eingerichtet Wissenschaftliche Beratungsgruppe — Eine spezielle Arbeitsgruppe des Wissenschaftlichen Ausschusses des Hauses der Europäischen Geschichte, die als „Beratungsgruppe“ bezeichnet wird, und ein Gremium aus „kritischen Freunden“, bestehend aus acht herausragenden Wissenschaftlern und Aktivisten aus ganz Europa.

Arbeitskreis Öffentliches Programm

Der Arbeitskreis Öffentliches Programm ist ein kooperatives Beratungs- und Entscheidungsgremium, dessen Aufgabe darin besteht, das öffentliche Programm der Ausstellung im Haus der Europäischen Geschichte mitzugestalten. 

Erfahren Sie mehr über das öffentliche Programm rund um diese Ausstellung (in Kürze verfügbar).

Diese Ausstellung verwendet Bilder und Objekte aus externen Archiven und Sammlungen. Obwohl wir uns nach Kräften bemüht haben, alle Bildrechte ordnungsgemäß anzugeben, wenden Sie sich bitte an das Haus der Europäischen Geschichte, falls Änderungen an den Bildnachweisen erforderlich sind.