Die Ausstellung führt uns ausgehend von den strukturellen Grundlagen des europäischen Kolonialismus über die Frage, wie die Europäer ihre Macht nach dem Zusammenbruch ihrer Imperien bewahrten und wie sich dies auf die neu unabhängigen Länder auswirkte bis in die Gegenwart. Sie lädt uns dazu ein, darüber nachzudenken, wie die Kolonialgeschichte das Leben auch heute noch prägt. Einzigartige Kunstwerke, historische Objekte und persönliche Geschichten begleiten den Besucher durch diese dringend notwendige Auseinandersetzung Europas mit dem Kolonialismus.
„Die Geschichte Europas endet nicht an den Grenzen Europas... Das Thema Europa ist ein weltweites Thema“
In der Ausstellung
die zeigen, wie der Kolonialismus das Leben einzelner Menschen geprägt hat
vom 7. Jahrhundert bis heute
deren Künstler sich mit Dekolonialisierung auseinandersetzen
Englisch, Niederländisch, Französisch, Deutsch
Einführung
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien die Kolonialmacht zu bröckeln. Von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts befreiten sich mehr als 80 Kolonien von der europäischen Herrschaft und erklärten ihre Unabhängigkeit. Nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten des Widerstands gegen gewaltsame Unterdrückung schien ihr Sieg der entscheidende Bruch mit der Vergangenheit zu sein. Doch manchmal trügt der Schein...
Wie schaffte es die koloniale Machtmatrix – Gedankengut, Ereignisse, Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die dem Kolonialismus entstammen – weiter die moderne Welt zu prägen?
Ausstellungsbereiche
Die Ausstellung besteht aus vier Teilen.
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Strukturelle Grundlagen des europäischen Kolonialismus
und seine lange Geschichte vom 15. Jahrhundert bis 1945
Welche strukturellen Merkmale zeichnen den Kolonialismus aus? Zwar hat jeder Fall von europäischem Kolonialismus seine eigene Geschichte, doch alle haben bestimmte Merkmale gemeinsam. Ein Bewusstsein für die systemischen Merkmale des Kolonialismus ermöglicht es, diese auch in der heutigen Zeit zu erkennen.
Botanist Kid (Boy) oder Kind der postkolonialen Welt, 2024, CBE RA Yinka Shonibare (geb. 1962).
Erworben 2024. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte, Brüssel.
© Yinka Shonibare CBE RA -
Das Ende der Kolonialreiche?
fragt, wie die Europäer ihre Macht bewahrten, als ihre Imperien zusammenbrachen
1945 lag Europa nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern. Seine Macht bröckelte. Die Alliierten hatten dafür gekämpft, Nationalsozialismus und Faschismus zu besiegen. Da konnten sie doch jetzt kaum noch den Kolonialismus verteidigen, oder? Für die kolonisierten Völker schien ein radikaler Wandel nun zum Greifen nahe.
Kolonialkleid, 2008, Susan Stockwell (geb. 1962).
Erworben 2019. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte, Brüssel.
© Susan Stockwell -
Zwischen Unabhängigkeit und echter Freiheit
Ab dem Ende der 1950er-Jahre nahm die Entkolonialisierung an Fahrt auf.
Allein im Jahr 1960 wurden 17 afrikanische Kolonien unabhängig. Dies waren außergewöhnliche Momente voller Triumph, Hoffnung und Stolz. Die Euphorie, die viele Menschen empfanden, währte jedoch nicht lange.
Luzia Inglês Van-Dúnem (Mitglied der Volksbewegung zur Befreiung Angolas), 1968.
© Augusta Conchiglia 1968 -
Und nun?
Sich mit der kolonialen Vergangenheit Europas auseinanderzusetzen bedeutet, ihre Spuren heute überall wahrzunehmen.
Doch wo es Ungerechtigkeit gibt, gibt es auch immer Widerstand. Innerhalb und außerhalb Europas setzen sich zahllose Menschen für Veränderungen ein: Künstler, Aktivisten, Forscher, Pädagogen, Organisatoren und gewöhnliche Bürger, die in ihren Gemeinschaften Verantwortung übernehmen.
Sie fordern uns auf zu überdenken, was es bedeutet, europäisch zu sein, einen unvoreingenommenen Blick auf Europas Platz in der Welt zu richten und neue Formen des Zusammenseins und Zusammenlebens zu entwickeln.
Baga Nimba (Gold), 2019, Niyi Olagunju (geb. 1981).
Erworben 2020. EU, EP, Haus der Europäischen Geschichte
© Niyi Olagunju
Gründe für die Ausstellung
Das Haus der Europäischen Geschichte wurde 2017 eröffnet. Sein Auftrag und seine Verantwortung sind es, die Geschichte Europas zu beleuchten. Unsere derzeitigen Exponate sagen nicht genug über die Auswirkungen des Kolonialismus aus, die sich noch heute feststellen lassen. Die Stimmen derer, die unter den Gewalttaten der Kolonialherren gelitten und gegen sie angekämpft haben, werden vernachlässigt.
Diese Ausstellung ist nun der Beginn einer Reise unseres Teams mit dem Ziel, dieses Versäumnis zu beheben. Die Ausstellung soll als Katalysator für die Überarbeitung unserer Exponate im gesamten übrigen Museum dienen.
Projektteam
- Leitender Kurator und Projektleiter
- Kieran Burns
- Kuratoren
- Ayoko Mensah, Simina Badica und Joanna Urbanek
- Assistenz-Kuratoren
- Elena Garcia Caffarena, Laura Coccia
- Kurator für persönliche Geschichten
- Daphné Budasz
- Praktikum
- Helja Asadi-Gholami, Adrià Enríquez Álvaro, Hannah Savage, Emily Shoebridge Martín
- Produktionsleiter
- Philippe Peyredieu du Charlat
- Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit
- Mackda Ghebremariam Tesfau, Paul Grabenberger
- Sammlungen – Konservatoren
- Vasileios Galanakos, Anke van Achter
- Sammlungen – Assistentin mit Zuständigkeit für Leihgaben
- Karolina Milkowska
- Sammlungen – Registrar
- Vladimir Cajkovac
- Veröffentlichung
- Stéphanie Gonçalves und Christine Dupont
- Kommunikation und Partnerschaften
- Ana Salvador, Nicolas Withof
- Einrichtungen, Besucherdienste & IT
- Vito Maltese, Carlos Ibañez Fandos
- Finanzenz
- Jasna Burn, Korana Matetić
Wir arbeiteten bei dieser Ausstellung mit einem internationalen Gremium aus Historikern, Forschern, Aktivisten, Gemeindevorstehern und anderen Fachleuten zusammen, aber auch mit Menschen, die uns von ihren persönlichen Erfahrungen mit Kolonialismus und davon, wie sie damit umgegangen sind, berichteten.
Persönliche Stimmen in der Ausstellung
Insgesamt werden acht persönliche Geschichten mithilfe audiovisueller Formate und dazugehöriger Objekte dargestellt. Sie verkörpern verschiedene Sichtweisen der Kolonialgeschichte, ihre Komplexität und aufkommende Abweichungen.
- Uazuvara Ewald Kapombo Katjivena
- Lehren der Menschlichkeit von einem Überlebenden des Völkermords
- Sabrina Tirvengadum
- Identitätssuche mithilfe von Archiven und KI
- Yves Abibou
- Kampf um die Anerkennung eines Massakers
- Leah Latumaerissa
- das gebrochene Versprechen der niederländischen Regierung
- Zohra Opoku
- Familienzusammenführung durch Kunst
- Ilda Vaz
- Musik als Mittel des Widerstands
- Rahel Sereke
- Kampf für Rechte und gegen strukturellen Rassismus
- Jacqui Goegebeur
- Koloniale Zerstörung von Kindheit und Familien
Wissenschaftliche Beratungsgruppe und „Kritische Freunde“
Im Mittelpunkt der Ausarbeitung der Wechselausstellung stehen die Grundsätze der akademischen Unabhängigkeit und der Einbeziehung von Fachwissen. Zu diesem Zweck hat das Haus der Europäischen Geschichte einen zweistufigen Beratungs- und Prüfungsrahmen eingerichtet Wissenschaftliche Beratungsgruppe — Eine spezielle Arbeitsgruppe des Wissenschaftlichen Ausschusses des Hauses der Europäischen Geschichte, die als „Beratungsgruppe“ bezeichnet wird, und ein Gremium aus „kritischen Freunden“, bestehend aus acht herausragenden Wissenschaftlern und Aktivisten aus ganz Europa.
Wissenschaftliche Beratungsgruppe
- Prof. Dr. Sharon MacDonald — Stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Ausschusses und Vorsitzende der Beratungsgruppe
- Dr. Olivette Otele — Historikerin und renommierter Forschungsprofessorin, School of Oriental and African Studies, London
- Prof. Dr. Paul Basu — Forschungsprofessor für transdisziplinäre Forschung, Universität Bonn
- Dr. Ghurminder K. Bhambra — Professorin für postkoloniale und dekoloniale Studien, Universität Sussex
- Prof. Dr. Luisa Passerini — Professorin für Geschichte am Europäischen Hochschulinstitut, Florenz
- Prof. Dr. Wolfgang Schmale — Professor für moderne und zeitgenössische Geschichte, Universität Wien
„Kritische Freunde“
- Professor Peo Hansen — Universität Linköping
- Professor Michael McEachrane — Mitglied und Berichterstatter des Ständigen Forums der Vereinten Nationen für Menschen afrikanischer Herkunft in Schweden
- Professor Christina Roldão — Universität Lissabon
- Dr. Margaret Ohia Nowak — Marie-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin
- Mitchel Esajas — Black Archives in Amsterdam
- Professor Valerie Rosoux — UCLouvain, Belgien
- Ines Mwedi Malila — Mémoires Coloniales, Belgien
- Mame-Fatou Niang — Carnegie Mellon University
Arbeitskreis Öffentliches Programm
Der Arbeitskreis Öffentliches Programm ist ein kooperatives Beratungs- und Entscheidungsgremium, dessen Aufgabe darin besteht, das öffentliche Programm der Ausstellung im Haus der Europäischen Geschichte mitzugestalten.
Erfahren Sie mehr über das öffentliche Programm rund um diese Ausstellung (in Kürze verfügbar).
Diese Ausstellung verwendet Bilder und Objekte aus externen Archiven und Sammlungen. Obwohl wir uns nach Kräften bemüht haben, alle Bildrechte ordnungsgemäß anzugeben, wenden Sie sich bitte an das Haus der Europäischen Geschichte, falls Änderungen an den Bildnachweisen erforderlich sind.