
Elke Pluijmen, Verwalterin der Sammlung 2011–2016
Es wäre für mich einfacher, in meiner Muttersprache Niederländisch zu schreiben, aber da es hier um meine Arbeit als Koordinatorin der Sammlungsverwaltung im Haus der Europäischen Geschichte geht, schreibe ich lieber auf Englisch, in der Sprache, in der Museumsmitarbeiter auf internationaler Ebene zumeist miteinander kommunizieren. Natürlich bedeutet das nicht, dass nicht auch in Ländern außerhalb des angelsächsischen Sprachraums das Denken über Sammlungen und Sammeln hoch entwickelt wäre. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ich habe vor Kurzem ein in Südfrankreich erschienenes Buch über zeitgenössisches Sammeln gekauft, das so dick und schwer ist, dass es als Mordwaffe dienen könnte. Aber Englisch ist meine zweite Sprache. Oder sogar meine dritte, wenn ich den Dialekt meiner Heimatregion, das niederländische Platt, als meine erste Sprache zähle.
Ich beschäftige mich also nicht mit „verzamelen“, „verzamelaar“ oder „verzameling“, sondern mit collecting [Sammeln], collector [Sammler] und collections [Sammlungen].
Sie können sich vielleicht vorstellen, wie begeistert ich war, als ich meine Arbeit an diesem Museumsprojekt aufnahm und feststellte, dass es noch gar keine Sammlung gab! Das war im Januar 2011. Ziemlich bald wurde klar, dass wir eine Sammlung würden zusammenstellen müssen. Dies war eine der Aufgaben des neuen Teams, das das Haus der Europäischen Geschichte aufbauen sollte.
Wie soll man auch Geschichte, Erinnerung und Erbe anders als anhand von Gegenständen erfahrbar machen?
Das Team befasste sich im ersten Jahr unter anderem mit der Mission und der Vision des Museums, seinen Zielen und dem allgemeinen inhaltlichen Aufbau. Im zweiten Jahr begannen wir, Gegenstände über das Internet und telefonisch zu suchen und Museen, Archive, Galerien und Bibliotheken zu besuchen.
Dann besuchten unsere Kuratoren interessante Orte, die möglicherweise noch unbekannte Schätze oder unerwartete Beweisstücke bargen, mit denen sich die Geschichte der europäischen Integration, die seit der Antike Teil der europäischen Geschichte ist, illustrieren ließ. Diese Geschichte ist das Rückgrat unserer Erzählung.
Unser System für die Sammlungsverwaltung enthält zur Zeit etwa 7 000 Exponate – Objekte, audiovisuelle Inhalte, Bilder und Filme – sowie Dokumentationen, die in Zukunft nicht nur für die ständige Ausstellung, sondern auch für Wechsel- und Wanderausstellungen, Veranstaltungen, Bildungsprogramme und die Website verwendet werden können.
Die interessantesten Funde werden nicht im Internet gemacht, sondern in kleinen Museen und Lagerhallen am Rande Europas.Manchmal ist es tatsächlich so, dass man in einem weit entfernt gelegenen Museum genau das Exponat findet, das man suchte, aber noch schöner ist es, wenn man von einem Kollegen auf ein noch besser passendes Objekt aufmerksam gemacht wird, das die ganze Zeit im Schrank im eigenen Büro lag.